 Warum Mitglied werden?
Dass in der Wirtschaft vielfach die Vorstellung überwiegt, moralische und ethische Grundsätze behinderten die eigentliche Arbeit, hängt damit zusammen, dass die Vertreter einer Ethik – sei es katholische Soziallehre, protestantische Ethik, kategorischer Imperativ oder der Flirt mit platonischpreussischen Tugenden – die Unternehmer immer schon gern am Gängelband geführt haben. Wirtschaftsethik wird erst dann zur Wirkung kommen, wenn sich die Teilnehmer der Wirtschaft selbst der von ihnen ausgesetzten ethischen Grundlagen des Handelns bewusst werden. An Werten, Tugenden und Leitlinien mangelt es nicht. Im Gegenteil. Für das Gelingen der Ethik, insbesondere der Wirtschaftsethik, fehlt uns lediglich das Bewusstsein, dass wir alle uns an manche dieser Werte, Normen und Tugenden eben „nur“ halten müssen. Die entscheidende Prämisse für ethisches Handeln steckt im Selbstverständnis eines jeden Unternehmers. Es ist die Prämisse der Freiheit. Jeder Unternehmer zieht es vor, sich in einer Welt wiederzufinden, in der Handlungen so interpretiert werden, als hätten sie auch unterbleiben können, und Handlungen, die unterblieben sind, so interpretiert werden, als hätten sie auch geschehen können. Aus dem Unternehmertum selbst folgt also die ethische Vorgabe, die Welt nicht kritiklos so anzuerkennen, wie sie zufällig gerade ist, sondern an ihrer Veränderung derart zu arbeiten, dass wir uns darin erleben als Menschen, die einander hin und wieder die Fähigkeit verbildlichen, dass sie die bewussten Gestalter der Welt sind, in der sie auch leben wollen.
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